Liebe Genossinnen und Genossen

Wenn es so weiter geht, beginne ich künftig meine Kolumnen mit: Liebe Genossinnen und Genossen. Wie in den besten Zeiten als sich sozialistische Staatssekretäre und rote Parteibonzen an ihr Arbeiter- und Bauernvolk richteten. Warum? Weil wir im September schon wieder über öko-sozialistisch, etatistische Initiativen abstimmen. Bei den beiden Agrarinitiativen «Fair-Food-Initiative» und «Initiative für Ernährungssouveränität» geht es um die Bevormundung der Schweizer Bevölkerung, was sie künftig kaufen und essen darf. 

Die eine Initiative will, dass der Staat sicherstellt, dass alle importierten Lebensmittel nach den gleichen Vorgaben wie in der Schweiz produziert werden. Nur dann dürfen sie in die Warenregale. Und die andere Initiative will, dass der Staat mit mehr Vorschriften kleinbäuerliche Betriebe unterstützt und die heimischen Bauern mit Importverboten, Zollerhöhungen und zusätzlichen Subventionen vor der Konkurrenz schützt. 

Die Zürcher haben noch zusätzlich das Vergnügen über die Schaffung von Staatsjägern abzustimmen. Die sollen dann anstelle der privaten Jäger die Jagd übernehmen. Diese zusätzliche Staatsaufgabe kostet den Steuerzahler schlappe 80 Millionen Franken. 

Alle drei Initiativen zielen darauf ab, die Staatsausgaben zu erhöhen, weil man mehr Bürokratie, Kontrolleure, Administration, Beamte, Zollvorschriften und Juristen braucht. Der Staat bekommt neue Aufgaben, die er mit zusätzlichen Steuern finanzieren muss und der Souverän – sprich das Volk – darf höhere Lebensmittelpreise, höhere Steuern und mehr Bevormundung ertragen. Eigentlich der pure Wahnsinn. 

Wir klagen, dass die Schweiz eine Hochpreisinsel ist und bringen Initiativen an die Urne, die alles noch teurer machen. Wir regen uns darüber auf, dass der Staat sich viel zu stark mit überbordenden Vorschriften einmischt und seinen Apparat ausbaut. Und gleichzeitig schieben wir ihm immer mehr Aufgaben zu, weil wir zu bequem sind unser eigenes Handeln zu hinterfragen und gegebenenfalls freiwillig zu verändern. 

Es stellt sich die Frage: Was für eine Schweiz wollen wir künftig? Rückwärts gewandt, abgeschottet, überreguliert, etatistisch, bevormundend bis ins Letzte? Oder freiheitlich, eigenverantwortlich, wettbewerbsfähig, offen, liberal, innovativ und selbstbewusst? Mir ist die zweite Option lieber, denn nachhaltiges Handeln und ökologisches Verhalten entstehen durch Eigenverantwortung und nicht durch staatliche Vorschriften.

Riccarda Mecklenburg,
Vorstand Verband Frauenunternehmen, Founder CrowdConsul