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Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der CBS International Business School und BoardFinder

Mittelständische Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen, wenn es gilt, die Zukunft des Unternehmens abzusichern. Beiräte können entscheidend und erfolgreich dazu beitragen, dass mittelständische Unternehmen mehr Stabilität und Kompetenz gewinnen. 

Nicht immer verfügt ein mittelständisches Unternehmen über genügend oder geeignete interne Ressourcen, um sich umfassend mit allen Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. Es ist daher sinnvoll, sich externen Rat oder Impulse von außen zu holen. Dies können sowohl Freunde der Familie als auch Vertraute des Unternehmens wie Steuerberater, Familienanwälte oder Bankberater sein. Für einzelne Themen kann es auch hilfreich sein, den Branchenverband oder die IHK zu konsultieren oder eine externe Unternehmensberatung mit Spezialkenntnissen zu beauftragen. Wichtig hierbei ist immer die Perspektiverweiterung durch einen Blick von außen. Dieser sollte professionell, neutral und objektiv sein. 

Mittelständische Unternehmen können auch eigeninitiativ einen Beirat bilden, der die Unternehmen berät und bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen unterstützt. Im Rahmen eines Business Projects haben Masterstudierende der CBS International Business School unter Anleitung ihrer Professoren gemeinsam mit BoardFinder, einem internationalen Netzwerk unabhängiger Board Member (Beirats- und Aufsichtsratsmitglieder), eine Befragung von mittelständischen Unternehmen und Beiräten in Deutschland durchgeführt, um herauszufinden, wie die Nutzung von Beiräten in dieser Zielgruppe gesehen wird. Insgesamt haben 140 von gut 1400 kontaktierten mittelständischen Unternehmen und 29 Mandatsträger in Deutschland an der Befragung teilgenommen. 

 

Ergebnisse der Studie

Nur knapp 50 % der befragten mittelständischen Unternehmen haben bereits einen Beirat installiert und nutzen aktiv die Vorteile dieses Gremiums. Der Hauptgrund, warum mittelständische Unternehmen bislang noch keinen Beirat haben, ist die Tatsache, dass man sich mit der Thematik noch nicht beschäftigt hat. Auch gibt es teilweise Zweifel am Mehrwert dieses Gremiums für das eigene Unternehmen. Zu hohe Kosten und die Bereitschaft zur Weitergabe von unternehmensinternen Informationen scheinen kein Hinderungsgrund zu sein. 

Die wesentlichen Qualifikationen eines Beirats liegen in der Strategiekompetenz, Finanzen und Controlling, Erfahrungen in der eigenen Branche, Erfahrungen in einer anderen Branche, im Nachhaltigen Management, IT und Digitales sowie im Bereich Marketing und Vertrieb. 

Die Vielzahl der Unternehmen bevorzugen externe Mitglieder bei der Besetzung von Beiräten, nur eine Minderheit präferiert interne Kandidaten. Die Anzahl der Mitglieder je Beirat variiert zwischen 1-4 Mitgliedern, 5-10 Mitgliedern und mehr als 10 Mitgliedern, wobei alle drei Größenkategorien nahezu gleich häufig genannt wurden. Die meisten Beiräte tagen drei- bis viermal pro Jahr; mehr als fünf Sitzungen finden nur in seltenen Fällen statt. 

Die meisten Beiräte haben einen betriebswirtschaftlichen oder juristischen Hintergrund. Darüber hinaus genießen Soft Skills bei den Beiräten einen hohen Stellenwert. Als wichtigste Eigenschaft wird Vertrauenswürdigkeit gesehen, gefolgt von kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und Selbstdisziplin. 

Beiräte sehen sich selbst überwiegend als Berater, übernehmen die Rolle als Sparringspartner, sehen sich als strategischer Partner, übernehmen die Aufgabe als Mentor und Unterstützer, agieren als Kontrolleur und Überwacher des Unternehmens, als Mittler/Konfliktlöser oder als Interessensvertreter. 

Die Mehrheit der Beiräte schätzt aktuell die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit als Beirat für den Unternehmenserfolg als sehr hoch ein, sie können als Beirat unabhängig und selbstbestimmt agieren, sie haben Einfluss auf die Entscheidungen der Geschäftsführung und ihre Beziehung zu der Geschäftsführung beeinflusst ihre Arbeit als Beirat laut Befragung nicht.

Die überwiegende Mehrheit der Beiräte hat mehr als ein Beiratsmandat inne, im Durchschnitt 2,8 Mandate. Mehr als 80 % der Beiräte erhält eine fixe Vergütung. Zeitabhängige oder erfolgsabhängige Vergütung sind eher die Ausnahme. Die durchschnittliche Vergütungsspanne einer Beirätin bzw. eines Beirats je Mandat und pro Jahr liegt zwischen, gerundet, 9.000 Euro und 14.000 Euro.

Die Rekrutierung der Beiräte erfolgt primär im eigenen Bekanntenkreis des Unternehmens, während Headhunter, Verbände, Internet, Banken oder Berater deutlich weniger genutzt werden. 

86 % der Beiräte sind der Meinung, dass die Funktion der Beiräte in den nächsten 5 Jahren in Deutschland wichtiger wird. Knapp 90 % der Beiräte sind der Meinung, dass aktuelle Themen und Trends (wie z. B. Corona, Nachhaltigkeit oder die Digitale Transformation) die Nachfrage nach Beiräten erhöht.

 

Die Vorteile eines Beirats werden noch nicht durchgängig wahrgenommen

Beiräte können entscheidend dazu beitragen, dass mittelständische Unternehmen ihre Zukunft sichern. Durch externe Kompetenz können die Unternehmen Themen angehen oder Krisen bewältigen, die sie alleine nicht oder nur unzureichend stemmen könnten. Die Mitglieder eines Beirats sind in der Regel langfristig mit dem Unternehmen verbunden und haben ein persönliches Interesse am Erfolg des Unternehmens. Der finanzielle Aufwand für die Bezahlung von Beiräten bewegt sich, wie die Studie gezeigt hat, in einem überschaubaren Rahmen. Wichtig ist es, dass Beiräte eine unabhängige Position einnehmen und somit das mittelständische Unternehmen durch einen neutralen Blick von außen professionell beraten können. Dies wurde von den befragten Beiräten bestätigt. Neue Beiratsmitglieder sollten nicht nur im Bekanntenkreis gesucht werden; es sollten auch vertrauenswürdige externe Experten als Beiräte rekrutiert werden. Da mehr als die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen noch über keinen Beirat verfügt, bedingt dadurch, dass man sich noch nicht mit dem Thema befasst hat oder teilweise Zweifel am Nutzen dieses Gremiums hat, ist es aus Sicht der Autoren wichtig, auf den Nutzen von Beiräten für mittelständische Unternehmen hinzuweisen. Das Thema bleibt somit spannend und eine Herausforderung für alle Beteiligten.

 

 

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ÜBER DIE AUTOREN
Prof. Dr. Rembert Horstmann ist Professor mit dem Lehrgebiet Marketing und Vertrieb an der CBS International Business School in Köln und Gründungsmitglied bei BoardFinder in Deutschland, einem internationalen Netzwerk unabhängiger Board Member (Beirats- und Aufsichtsratsmitglieder).

Prof. Dr. Oliver Plum ist Professor mit dem Lehrgebiet Strategie und Innovation an der CBS International Business School in Köln.

 

Prof. Dr. Rembert Horstmann

Prof. Dr. Rembert Horstmann

Prof. Dr. Oliver Plum

Prof. Dr. Oliver Plum

 

 

Foto: ©Gorodenkoff