Verwaltungsräte: auch jetzt Sozialversicherungsbeiträge und Steuern, insbesondere Verrechnungssteuern bezahlen!

Verwaltungsräte: auch jetzt Sozialversicherungsbeiträge und Steuern, insbesondere Verrechnungssteuern bezahlen!

Der Bund öffnet die Geldschleusen, um die Unternehmen mit Liquidität zu versorgen. Verlockend eröffnet er per Notrecht die Möglichkeit, ohne Formalitäten und Sicherheiten zinslose Darlehen zu beziehen und er stundet zinslos die Sozialversicherungsbeiträge und die Bezahlung von Steuern, darunter insbesondere Verrechnungssteuern.

BoardFinder.org rät allen Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräten sowie Managementmitgliedern, keinesfalls der Versuchung zu unterliegen, die Bezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und Verrechnungssteuern hinauszuschieben.

Als Verwaltungsrats- und Managementmitglieder haften Sie nämlich persönlich und solidarisch für diese Zahlungen! Bei Liquiditätsengpässen – die auf viele Unternehmen zukommen werden – ist eher ein Kredit zu beantragen, um etwaige offene Sozialkassenbeiträge und Verrechnungssteuern umgehend zu bezahlen! So reduzieren Sie Ihre persönliche Haftung, für die niemand – auch nicht der Bund – einspringen wird!

 

Dr. Leonz Meyer, www.boarfinder.org

Jedes Unternehmen kann ein Finanzdienstleister sein

Jedes Unternehmen kann ein Finanzdienstleister sein

Die Finanzbranche und insbesondere die Bankenwelt sind einem Wandel unterworfen, der häufig unter dem Schlagwort „Digitalisierung“ zusammengefasst wird. Weniger Beachtung findet hingegen ein anderer Trend: die Aufweichung der Branchengrenzen, die dazu führt, dass immer mehr Unternehmen unterschiedlicher Branchen ihren Kunden Finanzdienstleistungen anbieten. Als der Autor einmal einen Vortrag zu diesem Thema hielt, fasste dies ein Manager aus einer anderen Branche treffend mit dem Satz zusammen: „Jedes Unternehmen kann ein Finanzdienstleister sein.“

Dass Unternehmen anderer Branchen eigene Banken gründen, ist an sich keine neue Entwicklung. Immer wieder kommt es national und international vor, dass Unternehmen z.B. aus der Telekommunikation, der Automobilbranche, dem Handel oder der Industrie Banken gründen und betreiben. Eine solche Strategie hat es jedoch traditionell erfordert, eine Banklizenz zu beantragen (ein relativ komplexer Prozess) sowie eigene Strukturen und Kompetenz zu Themen aufzubauen, die nicht zum Kerngeschäft solcher Unternehmen gehören.

Diese Eintrittsschwellen sind zuletzt jedoch wesentlich gesunken, und Unternehmen können einfacher und gezielter Finanzdienstleistungen anbieten.

Dafür gibt es im Wesentlichen folgende Gründe:

  • Regularien wie die 2. Zahlungsdienste-Richtlinie der EU („PSD2“) öffnen den Zugang zu Bankkonten und erlauben es anderen Unternehmen, für ihre Kunden deren Kontodaten einzulesen und Zahlungen auszulösen.
  • „Banking as a Service“ bedeutet, dass Unternehmen keine eigene Lizenz mehr brauchen, da ihnen die entsprechenden Mühen von White-Label-Banken abgenommen werden.
  • Strategien wie „Decoupling“ und „Coupling“ entlang der Kunden-Wertekette: Der zentrale Begriff hier ist jener der „Kunden-Wertekette“, also die gesamte Kette der einzelnen Kundenaktivitäten in Bezug auf ein Produkt oder eine Dienstleistung. Während früher eher die Sicht vorherrschte, dass Unternehmen abhängig davon in neue Märkte einsteigen sollen, wo ihre Kernkompetenzen liegen, begleiten heute immer mehr Unternehmen ihre Kunden entlang deren eigener Kette von Aktivitäten, was sie quer über verschiedene Branchen hinweg führt.

Immer mehr Unternehmen unterschiedlicher Branchen nutzen die Möglichkeiten, die sich durch diese Neuerungen ergeben:

  • Fahrdienstleister: Uber und Lyft bieten ihren Fahrern Konten und Karten an und schaffen es dadurch, nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch die Fluktuation bei den Fahrern zu verringern und somit die Kosten für die Gewinnung neuer Fahrer zu senken.
  • Autohersteller: Konfrontiert mit neuen Geschäftsmodellen, die die Hersteller direkter zu den Endkunden bringen, haben sich Unternehmen wie Mercedes oder Porsche entschlossen, Bezahldienste wie „Mercedes pay“ anzubieten bzw. in einen Software-Anbieter zu investieren, der auf die Monetarisierung der neuen Geschäftsmodelle spezialisiert ist.
  • Flugbranche – Die Lufthansa Miles & More GmbH hat 2019 die Multibanking-App „Miles & More Finance Plus“ gestartet, die für ihre User alle Konten und Karten in einer App zusammenfasst und Prämienmeilen vergibt, wenn von einem User z.B. ein bestimmter Fonds gekauft, eine Versicherung genutzt, ein Peer-to-Peer-Kredit vergeben oder ein Vertragswechsel bei einem Strom- oder Mobilfunkanbieter vorgenommen wurde.

 

Das gezielte Anbieten einzelner Finanzdienstleistungen bietet für Unternehmen verschiedener Branchen und unterschiedlicher Größe eine oft einfache Möglichkeit, neue Erträge zu  generieren, Kunden zu binden, aber auch Mitarbeiter oder Partner. Aufsichtsräte unterschiedlicher Branchen sollten daher ein Grundwissen dazu besitzen.

 

 

Michael Mahlknecht

Michael Mahlknecht

ÜBER DEN AUTOR
Michael Mahlknecht ist Mitglied im Advisory-Board eines Schweizer Software-Anbieters und berät Unternehmen verschiedener Branchen zu strategischen, Finanz- und IT-Themen. Er war Vorstandsmitglied bei der Corporate-Bank Banco do Brasil (Europazentrale in Wien) und Mitgründer eines Finanzsoftware-Unternehmens.

 

 

 

Was JEDER Verwaltungsrat  über die Energiewende wissen muss

Was JEDER Verwaltungsrat über die Energiewende wissen muss

 

Man möchte glauben, dass die Energiewende für die meisten Verwaltungsräte nicht relevant ist, ausser sie engagieren sich in einer Firma, welche direkt in den Energiemärkten aktiv ist.

Weit gefehlt: die disruptiven Veränderungen, welche durch die neuen erneuerbaren Energien ausgehen, werden das Verhalten von Konsumenten und Industrien, aber auch unser Umfeld verändern. Deshalb muss JEDER Verwaltungsrat wissen, dass:

Strom aus Wind- und Sonnen-Energie sind auch in unseren Breitengraden bereits günstiger als Strom aus jeder anderen Energiequelle. In Deutschland produzieren Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung die Kilowattstunde für weniger als 0.05€. Investitionen in andere Technologien machen daher ökonomisch um so weniger Sinn, je länger diese Investitionen laufen.
Digitalisierung und Blockchain verändern die Geschäftsmodelle massiv und kreieren neue Firmen. Die Energiemärkte werden dezentral und nicht mehr zentral sein. Privatpersonen oder Firmen werden den Strom selber produzieren und vermarkten oder diesen direkt von einem Kraftwerk einkaufen.
Speichertechnologien und -Konzepte werden enorm an Bedeutung gewinnen, da der fluktuierende Strom aus Wind- und Sonnenenergie über Tage und Wochen, aber auch saisonal „umverteilt“ werden muss. Speichertechnologien sind der nächste Business-Hype, welcher Verlierer und Gewinner schaffen wird.
Es herrscht in den nächsten Jahren eine grosse Ungewissheit, wie sich die Elektrizitätspreise am Energiemarkt entwickeln. Entscheidend wird die Politik sein, welche Rahmenbedingungen setzen oder verändern kann. Politische Märkte sind aus langfristiger Sicht gefährliche Märkte.
Die Schweiz wird energiemässig immer im Nachteil sein, da die Sonne anderenorts wesentlich mehr scheint, die Windverhältnisse an anderen Orten wesentlich besser sind und keine «Economies of Scale» realisierbar sind.
Schweiz Firmen und Private haben die Möglichkeit, den Strom selber oder im Zusammenschluss mit Nachbarn günstig zu produzieren und hohe Netzgebühren oder staatliche Zuschläge zu vermeiden. Diesbezüglich besitzt die Schweiz aktuell wohl das liberalste Energiegesetz der Welt.
Die vermehrte dezentrale Energieproduktion in der Schweiz erhöht die industrielle Wertschöpfung. Damit werden technologische Innovationen und neue Prozesse angestossen. Es wird einige grosse Gewinner und viele Verlierer geben.
Das geopolitische Machtgefüge verändert sich massiv. Die Erdölexporteure werden an Macht verlieren. Die, vor allem für die Batterieherstellung, verwendeten Rohmaterialien werden China, Afrika und Südamerika neue Macht verleihen. Der nahe Osten wird kein Brennpunkt mehr sein.
Die Elektromobilität wird die traditionelle Mobilität ab ca. 2030 verdrängen, da diese die einzige Antwort ist, um die CO2 bedingte Klimaerwärmung in Schach zu halten. Automobilhersteller und vor allem Zulieferer stehen vor grossen Veränderungen.
Der Land- und Dachbedarf für erneuerbare Energien wird steigen, da die Energiedichte dieser Technologien tief ist. Das Landschaftsbild wird sich verändern, Land und Dachfläche wird rarer.

 

Bildunterschrift: Eindrückliche Darstellung wie sich unser (Energie)-Umfeld bis 2050 verändern könnte
Bild: Quelle: DVN GL (https://eto.dnvgl.com/2018/#Energy-Transition-Outlook-2018-)

 

 

BoardFinder: neu in Deutschland und mit weiteren Kompetenzen!

BoardFinder: neu in Deutschland und mit weiteren Kompetenzen!

Jedes Unternehmen verfügt über ein oberstes Leitungsgremium (Verwaltungsrat, Aufsichtsrat, Beirat, Stiftungsrat, Board of Directors, nachfolgend «Board»). Das Board trägt die Verantwortung für alles, was in diesem Unternehmen passiert. Bei Fehlern werden die einzelnen Board Member zunehmend persönlich und solidarisch haftbar gemacht – und zwar nicht nur für operative Fehlleistungen, sondern gesamthaft für die Nichteinhaltung von Vorschriften (Non-Compliance, bspw. Steuern, insbesondere Verrechnungssteuern, Sozialversicherungen, Arbeitsrecht, Ausländerrecht, mangelhaft belegte Finanzführung etc.)

In der Regel ist im Board die Kompetenz für die operative Geschäftsführung vorhanden: die Board Member haben eine Ahnung davon, wie die Umsätze unter normalen Umständen zu steigern sind. Kompetenzlücken bestehen eher bei speziellen Angelegenheiten, beispielsweise bei Themen wie neue Märkte und Länder, neue Produkte, neue Geschäftsmodelle (bspw. Digitalisierung), Finanzierungen oder ganz generell Compliance im In- und Ausland.

Stellt ein Unternehmen fest, dass Kompetenzlücken vorhanden sind, tut es gut daran, das Board um diese fehlende Kompetenz zu ergänzen. Bei BoardFinder handelt es sich um eine Gruppierung von Persönlichkeiten mit ausgewiesener Führungserfahrung mit unterschiedlichsten Kompetenzen. Unternehmen finden bei uns Kandidatinnen und Kandidaten, um ihre Kompetenzlücken zu füllen. BoardFinder erweitert die verfügbaren Kompetenzen laufend: seit Sommer 2019  stehen auch Führungspersönlichkeiten aus Deutschland zur Verfügung und spezifisch solche aus internationalen Unternehmen, den Bereichen Infrastruktur/Bau, Industrieanlagen,  Automobilindustrie, Textil, Healthcare, Lebensmittel, Vertrieb, Handel, (Life/Sport-)Marketing, Finanzenwesen/Fintec/Controlling, Tourismus, Digitalisierung/IT, Familienunternehmen, Expansion, Restrukturierung und Sanierung.

BoardFinder ist kein Vermittler: suchende Unternehmen kontaktieren die passende Persönlichkeit über unserer Homepage und vereinbaren das übliche VR Honorar. Es fällt keine Vermittlungsgebühr an. Transparenter geht nicht!

www.boardfinder.org

Kalkulierbare Margen für KMU trotz starkem Franken

Kalkulierbare Margen für KMU trotz starkem Franken

Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den EUR-Mindestkurs im Januar 2015 aufgehoben hatte, kamen durch die Frankenstärke viele KMUs margenmässig in Bedrängnis. Dank umfangreichen Käufen von EUR und USD hat die SNB eine weitergehende Aufwertung des CHF verhindert und so für viele KMUs eine kalkulierbare Basis für den Export ihrer Produkte und Dienstleistungen ermöglicht.

Neuste Artikel in Fachzeitschriften gehen aber bereits davon aus, dass Schweizer Unternehmen auch mit einer weiteren Frankenaufwertung klarkommen würden. 

Was, wenn Ihr Unternehmen mit einer grösseren Frankenaufwertung in Schieflage geraten würde?  

Falls Einkäufe und/oder Verkäufe mit der Gegenpartei nicht in Schweizer Franken vereinbart werden können, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich vor ungewollten Währungsschwankungen zu schützen.

Eine einfache Variante dies zu verhindern, sind im vornherein fest definierte Devisenkäufe (z.B. Kauf von EUR oder USD zum aktuellen Marktkurs aber mit Erfüllungsdatum/Valuta in der Zukunft, sprich in Abstimmung mit der Waren- oder Maschinenlieferung) oder Devisenverkäufe (z.B. Verkauf von EUR oder USD zum aktuellen Marktkurs aber mit Erfüllungsdatum/Valuta in der Zukunft, sprich in Abstimmung mit dem Waren- oder Maschinenverkauf). Diese Variante ist verhältnismässig kostengünstig und einfach nachzuvollziehen; mögliche Kursverluste aber auch Kursgewinne werden neutralisiert. 

Eine weitere Variante der Absicherung von Währungsschwankungen sind der Kauf einer Call-Option (Recht zum Kaufen einer Währung z.B. EUR oder USD) oder der Kauf einer Put-Option (Recht zum Verkaufen einer Währung z.B. EUR oder USD). Hier zahlt der Käufer eine Prämie analog einer Vollkaskoversicherung bei Fahrzeugen, profitiert aber weiterhin von möglichen Kursveränderungen, sprich günstigeren Wechselkursen beim Einkauf oder höheren Wechselkursen beim Verkauf.

Auf jeden Fall empfehlen wir die Situation strategisch zu besprechen und mit einer Fachperson (z.B. Bank- oder Finanzberater) die verschiedenen Möglichkeiten zu analysieren und nach Auflistung der jeweiligen Vor- und Nachteile eine Entscheidung zu treffen. Zudem ist es wichtig, die Devisenmargen der Banken zu verhandeln und fix festzulegen.

Eine klar definierte (Währungs-)Strategie schafft kalkulierbare Risiken und stabilisiert als Folge die Erträge Ihres Unternehmens.

 

Hubert Häusler
CEO
Axessa Finanz AG, Unterägeri

 

Foto: Photo by Maryna Yazbeck on Unsplash

 

Und wo sind die Mädchen?

Und wo sind die Mädchen?

„Sag mir wo die Mädchen sind, wo sind sie geblieben…“ fuhr es mir durch den Kopf, als ich die Statistik sah, wie viele junge Menschen in der Schweiz eine IT-Ausbildung machen. 2017 zählte das Bundesamt für Statistik 7225 Jugendliche. Davon waren 6714 Jungs und 511 Mädchen. Noch nicht einmal 10 Prozent der jungen Frauen konnten sich für eine Ausbildung als Informatikerin begeistern. Ungläubig schaute ich die anderen Berufsgattungen an und fühlte mich mit den schlimmsten Clinches konfrontiert: Junge Frauen pflegen, putzen, organisieren und erziehen. Junge Männer entwickeln, bauen, konstruieren und programmieren. Ich kann absolut verstehen, dass sich Mädchen nicht wirklich für Strassenbau und ähnliche Heavy-Metal Berufe begeistern, aber Programmieren findet doch in einer sauberen Umgebung statt. 

Momentan werden die Algorithmen der Zukunft geschrieben. Das kann man vergleichen mit dem Gleisbau in den Pionierzeiten der Eisenbahn. Auf den Gleisen wurden Menschen und Waren transportiert, die einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung auslösten. Das Gleiche gilt für Algorithmen, die jetzt geschrieben werden. Sie sind die Basis der gesamten Digitalisierung bis hin zu künstlichen Intelligenz. Werden diese digitalen Formeln aber ausschliesslich von jungen, weissen Männern geschrieben, fehlt die Diversität der Gesellschaft für die Zukunft. Mir geht es nicht darum, irgendjemand schlechte Absichten zu unterstellen, aber junge Männer, die oft autistische Züge haben, sind in der IT übervertreten und konzentrieren sich auf einen bestimmten Ausschnitt der Gesellschaft. 

Leider fehlt es den Mädchen an positiven Rollenmodellen, denn sie sehen nur die fahlen Jungs, die so aussehen als würden sie ausschliesslich nachts an die Sonne gehen und ansonsten kleben die Blicke an Bildschirmen und die Finger an Tastaturen. Das schreckt ab. Dabei ist programmieren oder codieren kreativ, verantwortungsvoll und unabhängig von Ort und Zeit. Und die Jobs sind gut bezahlt. Ich habe mir vorgenommen, jedem jungen Mädchen vorzuschwärmen wie toll programmieren ist. Wie cool es ist, etwas codieren zu können. Und wieviel Spass es macht, eigene Programme zu schreiben mit denen man etwas bewirken kann. Kleine Coding-Workshops können Wunder bewirken und neugierig machen. Und vielleicht die Berufsentscheidung beeinflussen. Denn der traurige Refrain des eingangs angestimmten Liedes wäre: „Wann wird man je verstehen.“ Ersparen wir uns den und fördern lieber weibliche IT-Cracks.

Riccarda Mecklenburg
Vorstand Verband Frauenunternehmen,
Founder CrowdConsul.ch

Fotos: Riccarda Mecklenburg

Rücktritt aus dem Verwaltungsrat bei Problemen

Rücktritt aus dem Verwaltungsrat bei Problemen


Soll ich bei Problemen aus dem VR zurücktreten?

Irgendwann kann selbst bei einem gesunden Unternehmen etwas schiefgehen: ein Liquiditätsengpass verhindert die fristgerechte Begleichung aller offenen Rechnungen, die Bilanz zeigt eine Überschuldung, der CEO handelt eigenmächtig und verweigert dem Verwaltungsrat wichtige Informationen, Unfälle rauben Managementressourcen und bringen ein Unternehmen in die Schlagzeilen, ein Strafverfahren gegen Management oder andere VR-Mitglieder wirft einen Schatten über das ganz Unternehmen etc. In solchen Situationen mag sich ein einzelnes Verwaltungsratsmitglied danach überlegen, ob er oder sie nicht besser aus dem Verwaltungsrat zurückzutritt.

Da auf das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Verwaltungsrat das Auftragsrecht zur Anwendung kommt (Art. 394 ff OR), ist ein Rücktritt zwingend jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist möglich (Art. 404 OR). Die Löschung im Handelsregister kann eigenständig mittels Brief an das Handelsregister [Link zu Muster] veranlasst werden.  

Ein Rücktritt muss genau überlegt sein

Wer aus dem VR austritt, haftet dennoch für Handlungen und Unterlassungen, die sich bis zu seinem Rücktritt ereignet haben. Sind bspw. noch  Sozialkassenbeiträge (AHV, Pensionskasse) offen, so bleibt der Austretende für die Beiträge bis zum Tag des Austritts mitverantwortlich. Das Problem ist nur, dass er aufgrund seines Austritts gar keine Informationen darüber hat, welche Beiträge noch offen sind, und er hat auch keine Möglichkeit mehr, sich für die Bezahlung offener AHV- und BVG-Forderungen einzusetzen. Der Rücktritt erhöht somit sein Risiko, persönlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Bei Liquiditätsengpässen spricht diesbezüglich nämlich vieles dafür, die Sozialkassen vor etwaigen anderen Gläubigern zufrieden zustellen – aber genau diese Einflussnahme verbaut man sich mit einem Rücktritt!

Gerät ein Schiff in Seenot, gebührt es sich für den Kapitän ja auch nicht, das Schiff umgehend zu verlassen. Deshalb: Im Zweifel hat ein Verwaltungsrat bei Problemen eher die Pflicht, die Zügel fest in die Hand zu nehmen und sich an der Problemlösung aktiv zu beteiligen. Er hilft dadurch nicht nur dem Unternehmen, sondern kann aktiv das Risiko einer persönlichen Haftung verkleinern.

Sollte der Verwaltungsrat dennoch zurücktreten wollen, tut er gut daran, mit begleitenden Massnahmen seine persönliche Haftung zu minimieren: So kann er bspw. Gläubiger, Banken, Steuerbehörden etc. über etwaige Liquiditäts- oder sonstige Probleme informieren und bspw. die Beschlagnahme von Haftungssubstrat zur Deckung von Verrechnungssteuern (für die ein VR ebenfalls persönlich haftet) veranlassen (Art. 47 VStG). Oder er hält zumindest in einem Brief an die verbleibenden Verwaltungsräte [Link zu Muster] fest, welche Dinge im Argen liegen und was er zur Beseitigung des Missstandes vorschlägt.

Also: Nie unüberlegt zurücktreten! Eher an der Problemlösung mitwirken, Zugang zu Informationen behalten und dazu beitragen, die persönliche Haftung zu minimieren!

Dr. Leonz Meyer
Rechtsanwalt, VR Finder 


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Arbeiten über 50: diese Hürden gilt es zu überwinden

Arbeiten über 50: diese Hürden gilt es zu überwinden

In den letzten Jahrzehnten ist unsere Lebenserwartung deutlich gestiegen. Die Gesellschaft fordert daher immer wieder eine bessere Nutzung des Potenzials an heimischen Arbeitskräften, nicht zuletzt auch der über 50 Jahre alten Personen. Man könnte sich nun fragen: Weshalb gerade die über 50-Jährigen? Über sie hört man doch immer, die Wirtschaft habe keine Verwendung mehr für sie und sie seien besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen. 

Es gilt zuerst, diese irrigen Annahmen zu korrigieren. Die Arbeitslosigkeit liegt bei den älteren Personen in der Schweiz unter dem Gesamtdurchschnitt, obwohl die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte zwischen 50 und 65 in den letzten Jahren gestiegen ist. 2017 lag die Arbeitslosenquote bei den über 50-Jährigen bei 2,8 Prozent, die Gesamtquote bei 3,3 Prozent. Es ist allgemein bekannt, dass diese Arbeitnehmerkategorie ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko hat als jüngere Kollegen. Andererseits lässt sich nicht bestreiten, dass ein über 50-Jähriger, der arbeitslos wird, im Schnitt länger braucht, um wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. 

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die immer schnellere Weiterentwicklung der erforderlichen Kompetenzen – vor allem der digitalen – lässt Weiterbildung immer wichtiger werden, weshalb Personen mit einem gewissen Alter in Positionen feststecken können, die keine Weiterentwicklung ermöglichen. Das ist sehr schade, denn gerade diese Personen besitzen oft Arbeitserfahrungen und «Soft Skills», die in Verbindung mit einer Auffrischung ihrer Qualifikationen für den Arbeitsmarkt besonders wertvoll und nützlich wären. Wie lässt sich also – gerade angesichts des Mangels an heimischen Arbeitskräften – vermeiden, dass diese kompetenten Personen Schwierigkeiten bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt haben? 

Bund und Kantone setzen sich seit Langem durch Bereitstellung von Weiterbildungsmöglichkeiten und die Schaffung von Rahmenbedingungen hierfür ein. Doch müssen auch die über 50-Jährigen selbst sowie die Arbeitgeber bei der Personalsuche einen Beitrag hierzu leisten. So ist es leider gängige Praxis, bei der Ausschreibung von Stellen eine Altersbegrenzung vorzugeben (zum Beispiel 35 bis 45 Jahre), wodurch potenzielle Bewerber mit mehr Erfahrung und noch vielen Arbeitsjahren vor sich (oft noch 10 Jahre!) grundsätzlich aussen vor bleiben. Glücklicherweise ist man in den letzten Jahren hiervon abgekommen, so dass heute weniger als zehn Prozent der Stellenangebote so formuliert sind. Absolut betrachtet, ist dies aber noch immer eine beträchtliche Anzahl. Die Bewerber wiederum sind dazu aufgerufen, allfällige Altersangaben oder -begrenzungen einfach zu ignorieren. 

Dieser einfache Ansatz, der beide Seiten – Arbeitgeber und Bewerber – in die Pflicht nimmt, würde mit Sicherheit auch beiden Seiten mehr Möglichkeiten eröffnen. Heute ist das Qualifikationsniveau von über 50-Jährigen deutlich höher als vor zehn Jahren. Die Herausforderung der Reintegration der Arbeitssuchenden über 50-Jährigen stellt sich Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermassen: Erstere müssen in einem viel dynamischeren Umfeld als noch vor einigen Jahrzehnten interagieren – das somit eine grössere Anpassung erfordert – und Letztere sind aufgerufen, sich von längst überkommenen Vorurteilen zu verabschieden, um das Potenzial dieser Altersgruppe auszuschöpfen.

Also Schluss mit der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines bestimmten Alters – konzentrieren wir uns lieber darauf, die richtige Person für die richtige Position zu finden!

©david-siglin by unsplash

Bitcoin – Ramschanleihen

Bitcoin – Ramschanleihen

Was ist der Unterschied zwischen Lotto spielen und Krypto-Währungen kaufen?

Lotto spielen ist legales Glücksspiel. Kryptos sollten auch darunter fallen. Während ich diese Zeilen schreibe, sackt der Bitcoin-Kurs ab wie der Sand in einer Eieruhr, schnurstracks der Schwerkraft entgegen. Wenn es so weitergeht, ist er bald auf dem Niveau von Ramschanleihen und dann steige ich ein. Vielleicht.

Seit Monaten habe ich App’s wie CoinCap, Coinbase, Jaxx und natürlich Telegram auf meinem Smartphone und beobachte den Hype um die Kryptos. Ich war auf etlichen Veranstaltungen in halb Europa und habe mich von begeisterten Verkäufern über Initial Coin Offerings, sogenannte ICO‘s, samt den Token, die versprochen werden, informieren lassen. Alle sind begeistert, geben sich verschwörerisch abgeklärt und negieren rationale Argumente. Es ist wie im Märchen „des Kaisers neue Kleider“. Keiner ruft: „Der Kaiser ist ja nackt…!“ Alle wissen natürlich wie es geht, haben die White Paper und Token-Arten verstanden und warten nur darauf, reich zu werden. 

Der US-Ökonom Nouriel Roubini bezeichnet die Krypto-Coins als „Shitcoins“, aber da ist er einer der Wenigen. Es sollen inzwischen 2000 handelbare Krypto-Währungen existieren. Eigentlich müssten, auch bei durchschnittlich begabten Investoren die Alarmglocken schrillen. Es gibt noch nicht einmal so viele reguläre Währungen. 

Das Narrativ wird weiter strapaziert, denn Hotspots wie Liechtenstein, Malta und Gibraltar – alles Orte mit einer tadellosen Reputation für Finanzakrobatik – öffnen sich den digitalen Anlageprodukten, wie die jetzt so euphemistisch heissen. Da gilt es schnell zu handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Oder wie finden Sie diese Anekdote? Bei der Krypto-Währung Bitcoin Cash findet eine Art Bürgerkrieg statt. Die Währung wurde mit einer sogenannten «Hard Fork», geteilt und zwei Lager – das eine ist beheimatet in China, das andere in Australien – bekriegen sich nun. 

Ich dachte immer, dass Krypto-Geld geschützt sei vor Partikulär-Interessen. So wurde uns doch die neue Welt verkauft: Keine bösen Nationalbanken mehr, welche die Währung manipulieren und die Weltwirtschaft aus dem Hintergrund steuern. Und jetzt? Nicht nur die Kreation einer Währung hat sich privatisiert, sondern auch deren Manipulation im grossen Stil.

Riccarda Mecklenburg,
Vorstand Verband Frauenunternehmen, Founder CrowdConsul

Foto: ©Andre Francois by Unsplash

Die Geschichte lehrt: Solarenergie wird die wichtigste Primärenergiequelle

Die Geschichte lehrt: Solarenergie wird die wichtigste Primärenergiequelle

Ende 2003 schrieb Hans Dieter Sauer in der NZZ (https://www.nzz.ch/article969ZE-1.319491): „Sonnenenergie kann im Prinzip den gesamten Energiebedarf der Menschheit decken. Grosse Hoffnungen werden dabei auf die Photovoltaik gesetzt. Um konkurrenzfähig zu werden, müssten die Kosten von Solarstrom allerdings auf ein Zehntel des heutigen Wertes sinken. Das scheint auf absehbare Zeit nahezu ausgeschlossen zu sein.“

Im Jahr 2003 kostete Solarstrom in hiesigen Gefilden CHF 0.60 pro Kilowattstunde (kWh). Heute, nicht einmal 15 Jahre später, kostet Solarstrom aus grossen Freiflächenanlagen sogar in Deutschland lediglich EUR 0.04/kWh, bereits viel weniger als ein Zehntel von anno dazumal. Die Solarindustrie geht von weiteren massiven Kostenreduktionen auf diesem tiefen Niveau aus.

In einer anfangs Jahr von Shell publizierten Studie „Energy Transition“ (https://www.shell.com/energy-and-innovation/the-energy-future/shell-energy-transition-report.html) kommt der Energiegigant zum Schluss, dass bereits 2050, definitiv aber in 2075 Solar- und Windenergie die wichtigste Energiequelle zur Deckung des Primärenergiebedarfs (nicht nur zur Stromherstellung!) sein wird. Kohle und Öl, je nach Szenario auch Erdgas, werden eine Statistenrolle spielen.

Shell glaubt seinen eigenen Studien. So hat Shell sozusagen im zweiten Anlauf ca. USD 0.5 Mia. in einen Projektentwickler von Photovoltaikanlagen in Europa (Lightsource) und in den USA investiert (Silicon Ranch). Shell möchte in den nächsten Jahren weitere USD 1 Mia. pro Jahr in erneuerbare Energie investieren. Ob es den Dinosauriern des vergangenen Ölzeitalters gelingen wird, die nachhaltige Kurve zu kriegen, werden wir in 2050 wohl wissen. 

Leader der digitalen Neuzeit haben die neue Energiezukunft bereits erkannt und ziehen Nutzen daraus: Google ist der grösste industrielle Kunde von erneuerbaren Energien weltweit mit Lieferverträgen von 3 GW. Dies entspricht etwa der Leistung von 3 Kernkraftwerken.

Kohle und Öl sind definitiv Vergangenheit: Digitalisierung, Elektromobilität und die dezentrale Energiebereitstellung sind die Zukunft. Man lässt besser schon heute die Hände weg von Kohle und Öl, das Klima und unsere Kinder werden es uns danken und sie werden es erleben: Erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik, sind die Energiezukunft.