Nur knapp 50 % der mittelständischen Unternehmen haben die Vorteile eines Beirats erkannt

Nur knapp 50 % der mittelständischen Unternehmen haben die Vorteile eines Beirats erkannt

Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der CBS International Business School und BoardFinder

Mittelständische Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen, wenn es gilt, die Zukunft des Unternehmens abzusichern. Beiräte können entscheidend und erfolgreich dazu beitragen, dass mittelständische Unternehmen mehr Stabilität und Kompetenz gewinnen. 

Nicht immer verfügt ein mittelständisches Unternehmen über genügend oder geeignete interne Ressourcen, um sich umfassend mit allen Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. Es ist daher sinnvoll, sich externen Rat oder Impulse von außen zu holen. Dies können sowohl Freunde der Familie als auch Vertraute des Unternehmens wie Steuerberater, Familienanwälte oder Bankberater sein. Für einzelne Themen kann es auch hilfreich sein, den Branchenverband oder die IHK zu konsultieren oder eine externe Unternehmensberatung mit Spezialkenntnissen zu beauftragen. Wichtig hierbei ist immer die Perspektiverweiterung durch einen Blick von außen. Dieser sollte professionell, neutral und objektiv sein. 

Mittelständische Unternehmen können auch eigeninitiativ einen Beirat bilden, der die Unternehmen berät und bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen unterstützt. Im Rahmen eines Business Projects haben Masterstudierende der CBS International Business School unter Anleitung ihrer Professoren gemeinsam mit BoardFinder, einem internationalen Netzwerk unabhängiger Board Member (Beirats- und Aufsichtsratsmitglieder), eine Befragung von mittelständischen Unternehmen und Beiräten in Deutschland durchgeführt, um herauszufinden, wie die Nutzung von Beiräten in dieser Zielgruppe gesehen wird. Insgesamt haben 140 von gut 1400 kontaktierten mittelständischen Unternehmen und 29 Mandatsträger in Deutschland an der Befragung teilgenommen. 

 

Ergebnisse der Studie

Nur knapp 50 % der befragten mittelständischen Unternehmen haben bereits einen Beirat installiert und nutzen aktiv die Vorteile dieses Gremiums. Der Hauptgrund, warum mittelständische Unternehmen bislang noch keinen Beirat haben, ist die Tatsache, dass man sich mit der Thematik noch nicht beschäftigt hat. Auch gibt es teilweise Zweifel am Mehrwert dieses Gremiums für das eigene Unternehmen. Zu hohe Kosten und die Bereitschaft zur Weitergabe von unternehmensinternen Informationen scheinen kein Hinderungsgrund zu sein. 

Die wesentlichen Qualifikationen eines Beirats liegen in der Strategiekompetenz, Finanzen und Controlling, Erfahrungen in der eigenen Branche, Erfahrungen in einer anderen Branche, im Nachhaltigen Management, IT und Digitales sowie im Bereich Marketing und Vertrieb. 

Die Vielzahl der Unternehmen bevorzugen externe Mitglieder bei der Besetzung von Beiräten, nur eine Minderheit präferiert interne Kandidaten. Die Anzahl der Mitglieder je Beirat variiert zwischen 1-4 Mitgliedern, 5-10 Mitgliedern und mehr als 10 Mitgliedern, wobei alle drei Größenkategorien nahezu gleich häufig genannt wurden. Die meisten Beiräte tagen drei- bis viermal pro Jahr; mehr als fünf Sitzungen finden nur in seltenen Fällen statt. 

Die meisten Beiräte haben einen betriebswirtschaftlichen oder juristischen Hintergrund. Darüber hinaus genießen Soft Skills bei den Beiräten einen hohen Stellenwert. Als wichtigste Eigenschaft wird Vertrauenswürdigkeit gesehen, gefolgt von kommunikativer Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und Selbstdisziplin. 

Beiräte sehen sich selbst überwiegend als Berater, übernehmen die Rolle als Sparringspartner, sehen sich als strategischer Partner, übernehmen die Aufgabe als Mentor und Unterstützer, agieren als Kontrolleur und Überwacher des Unternehmens, als Mittler/Konfliktlöser oder als Interessensvertreter. 

Die Mehrheit der Beiräte schätzt aktuell die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit als Beirat für den Unternehmenserfolg als sehr hoch ein, sie können als Beirat unabhängig und selbstbestimmt agieren, sie haben Einfluss auf die Entscheidungen der Geschäftsführung und ihre Beziehung zu der Geschäftsführung beeinflusst ihre Arbeit als Beirat laut Befragung nicht.

Die überwiegende Mehrheit der Beiräte hat mehr als ein Beiratsmandat inne, im Durchschnitt 2,8 Mandate. Mehr als 80 % der Beiräte erhält eine fixe Vergütung. Zeitabhängige oder erfolgsabhängige Vergütung sind eher die Ausnahme. Die durchschnittliche Vergütungsspanne einer Beirätin bzw. eines Beirats je Mandat und pro Jahr liegt zwischen, gerundet, 9.000 Euro und 14.000 Euro.

Die Rekrutierung der Beiräte erfolgt primär im eigenen Bekanntenkreis des Unternehmens, während Headhunter, Verbände, Internet, Banken oder Berater deutlich weniger genutzt werden. 

86 % der Beiräte sind der Meinung, dass die Funktion der Beiräte in den nächsten 5 Jahren in Deutschland wichtiger wird. Knapp 90 % der Beiräte sind der Meinung, dass aktuelle Themen und Trends (wie z. B. Corona, Nachhaltigkeit oder die Digitale Transformation) die Nachfrage nach Beiräten erhöht.

 

Die Vorteile eines Beirats werden noch nicht durchgängig wahrgenommen

Beiräte können entscheidend dazu beitragen, dass mittelständische Unternehmen ihre Zukunft sichern. Durch externe Kompetenz können die Unternehmen Themen angehen oder Krisen bewältigen, die sie alleine nicht oder nur unzureichend stemmen könnten. Die Mitglieder eines Beirats sind in der Regel langfristig mit dem Unternehmen verbunden und haben ein persönliches Interesse am Erfolg des Unternehmens. Der finanzielle Aufwand für die Bezahlung von Beiräten bewegt sich, wie die Studie gezeigt hat, in einem überschaubaren Rahmen. Wichtig ist es, dass Beiräte eine unabhängige Position einnehmen und somit das mittelständische Unternehmen durch einen neutralen Blick von außen professionell beraten können. Dies wurde von den befragten Beiräten bestätigt. Neue Beiratsmitglieder sollten nicht nur im Bekanntenkreis gesucht werden; es sollten auch vertrauenswürdige externe Experten als Beiräte rekrutiert werden. Da mehr als die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen noch über keinen Beirat verfügt, bedingt dadurch, dass man sich noch nicht mit dem Thema befasst hat oder teilweise Zweifel am Nutzen dieses Gremiums hat, ist es aus Sicht der Autoren wichtig, auf den Nutzen von Beiräten für mittelständische Unternehmen hinzuweisen. Das Thema bleibt somit spannend und eine Herausforderung für alle Beteiligten.

 

 

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ÜBER DIE AUTOREN
Prof. Dr. Rembert Horstmann ist Professor mit dem Lehrgebiet Marketing und Vertrieb an der CBS International Business School in Köln und Gründungsmitglied bei BoardFinder in Deutschland, einem internationalen Netzwerk unabhängiger Board Member (Beirats- und Aufsichtsratsmitglieder).

Prof. Dr. Oliver Plum ist Professor mit dem Lehrgebiet Strategie und Innovation an der CBS International Business School in Köln.

 

Prof. Dr. Rembert Horstmann

Prof. Dr. Rembert Horstmann

Prof. Dr. Oliver Plum

Prof. Dr. Oliver Plum

 

 

Foto: ©Gorodenkoff

Corona: Generalversammlung per Videokonferenz oder Vollmacht

Corona: Generalversammlung per Videokonferenz oder Vollmacht

Gemäss Art. 699 Abs. 2 OR muss eine Aktiengesellschaft ihre ordentliche Generalversammlung spätestens 6 Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres durchführen. Bei den meisten KMUs läuft diese 6-Monats-Frist am 30. Juni ab. Eine Generalversammlung kann nach Obligationenrecht (OR) nicht auf dem Zirkularweg erfolgen. Nun hat der Bundesrat mit Notrecht die Möglichkeit geschaffen, dass der Verwaltungsrat den Aktionären vorschreiben kann, ihre Stimmrechte an der GV (i) nur schriftlich oder elektronisch oder (ii) über Stimmrechtsvertreter auszuüben. Von dieser Kann-Vorschrift hat der Verwaltungsrat bis zum 26. April 2020 Gebrauch zu machen, dem aktuellen Geltungsbereich des Notrechts. Ob diese Frist dannzumal verlängert wird, kann man derzeit nicht sagen. Dies führt zu Planungsunsicherheit: der VR ist zur Zeit noch mit dem Abschluss per Ende 2019 beschäftigt und kann noch nicht sagen, wann die GV stattfindet – und ob dannzumal die elektronische oder schriftliche Geltendmachung der Aktionärsrechte anlässlich der GV noch zulässig ist. 

Der Verwaltungsrat hat demnach jetzt ein Zeitfenster, die GV elektronisch, also bspw. per Videokonferenz durchzuführen. In sehr übersichtlichen Verhältnissen (wo die jährliche Durchführung der GV reine Formsache ist) empfiehlt es sich für ein KMU allerdings, die GV unabhängig vom Notrecht und der Unsicherheit bezüglich Frist vom 26. April 2020 per Vollmacht vorzusehen: Danach bevollmächtigt jeder Aktionär eine bestimmte Person (je nach Statuten bspw. den VR Präsidenten, ein VR Mitglied, einen anderen Aktionären oder einen unabhängigen Stimmrechtsvertreter), sich in den Abstimmungen und Wahlen so zu äussern, wie es der Vollmachtgeber vorgibt. Es ist ratsam, wenn das Protokoll der GV im Entwurf vorliegt und die Vollmacht auf diesen Entwurf Bezug nimmt (Muster von Vollmacht und GV Protokoll finden Sie [hier]). So ist gewährleistet, dass der Aktionärswillen vollumfänglich beachtet wird und die GV flexibel nach Vorliegen des Jahresabschlusses durchgeführt werden kann – dieses Rezept kann unabhängig vom Notrecht auch in normalen Zeiten umgesetzt werden.

Dr. Leonz Meyer, www.boardfinder.org

 

Unterlagen zum Download

 

 

Was JEDER Verwaltungsrat  über die Energiewende wissen muss

Was JEDER Verwaltungsrat über die Energiewende wissen muss

 

Man möchte glauben, dass die Energiewende für die meisten Verwaltungsräte nicht relevant ist, ausser sie engagieren sich in einer Firma, welche direkt in den Energiemärkten aktiv ist.

Weit gefehlt: die disruptiven Veränderungen, welche durch die neuen erneuerbaren Energien ausgehen, werden das Verhalten von Konsumenten und Industrien, aber auch unser Umfeld verändern. Deshalb muss JEDER Verwaltungsrat wissen, dass:

Strom aus Wind- und Sonnen-Energie sind auch in unseren Breitengraden bereits günstiger als Strom aus jeder anderen Energiequelle. In Deutschland produzieren Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung die Kilowattstunde für weniger als 0.05€. Investitionen in andere Technologien machen daher ökonomisch um so weniger Sinn, je länger diese Investitionen laufen.
Digitalisierung und Blockchain verändern die Geschäftsmodelle massiv und kreieren neue Firmen. Die Energiemärkte werden dezentral und nicht mehr zentral sein. Privatpersonen oder Firmen werden den Strom selber produzieren und vermarkten oder diesen direkt von einem Kraftwerk einkaufen.
Speichertechnologien und -Konzepte werden enorm an Bedeutung gewinnen, da der fluktuierende Strom aus Wind- und Sonnenenergie über Tage und Wochen, aber auch saisonal „umverteilt“ werden muss. Speichertechnologien sind der nächste Business-Hype, welcher Verlierer und Gewinner schaffen wird.
Es herrscht in den nächsten Jahren eine grosse Ungewissheit, wie sich die Elektrizitätspreise am Energiemarkt entwickeln. Entscheidend wird die Politik sein, welche Rahmenbedingungen setzen oder verändern kann. Politische Märkte sind aus langfristiger Sicht gefährliche Märkte.
Die Schweiz wird energiemässig immer im Nachteil sein, da die Sonne anderenorts wesentlich mehr scheint, die Windverhältnisse an anderen Orten wesentlich besser sind und keine «Economies of Scale» realisierbar sind.
Schweiz Firmen und Private haben die Möglichkeit, den Strom selber oder im Zusammenschluss mit Nachbarn günstig zu produzieren und hohe Netzgebühren oder staatliche Zuschläge zu vermeiden. Diesbezüglich besitzt die Schweiz aktuell wohl das liberalste Energiegesetz der Welt.
Die vermehrte dezentrale Energieproduktion in der Schweiz erhöht die industrielle Wertschöpfung. Damit werden technologische Innovationen und neue Prozesse angestossen. Es wird einige grosse Gewinner und viele Verlierer geben.
Das geopolitische Machtgefüge verändert sich massiv. Die Erdölexporteure werden an Macht verlieren. Die, vor allem für die Batterieherstellung, verwendeten Rohmaterialien werden China, Afrika und Südamerika neue Macht verleihen. Der nahe Osten wird kein Brennpunkt mehr sein.
Die Elektromobilität wird die traditionelle Mobilität ab ca. 2030 verdrängen, da diese die einzige Antwort ist, um die CO2 bedingte Klimaerwärmung in Schach zu halten. Automobilhersteller und vor allem Zulieferer stehen vor grossen Veränderungen.
Der Land- und Dachbedarf für erneuerbare Energien wird steigen, da die Energiedichte dieser Technologien tief ist. Das Landschaftsbild wird sich verändern, Land und Dachfläche wird rarer.

 

Bildunterschrift: Eindrückliche Darstellung wie sich unser (Energie)-Umfeld bis 2050 verändern könnte
Bild: Quelle: DVN GL (https://eto.dnvgl.com/2018/#Energy-Transition-Outlook-2018-)

 

 

Bitcoin – Ramschanleihen

Bitcoin – Ramschanleihen

Was ist der Unterschied zwischen Lotto spielen und Krypto-Währungen kaufen?

Lotto spielen ist legales Glücksspiel. Kryptos sollten auch darunter fallen. Während ich diese Zeilen schreibe, sackt der Bitcoin-Kurs ab wie der Sand in einer Eieruhr, schnurstracks der Schwerkraft entgegen. Wenn es so weitergeht, ist er bald auf dem Niveau von Ramschanleihen und dann steige ich ein. Vielleicht.

Seit Monaten habe ich App’s wie CoinCap, Coinbase, Jaxx und natürlich Telegram auf meinem Smartphone und beobachte den Hype um die Kryptos. Ich war auf etlichen Veranstaltungen in halb Europa und habe mich von begeisterten Verkäufern über Initial Coin Offerings, sogenannte ICO‘s, samt den Token, die versprochen werden, informieren lassen. Alle sind begeistert, geben sich verschwörerisch abgeklärt und negieren rationale Argumente. Es ist wie im Märchen „des Kaisers neue Kleider“. Keiner ruft: „Der Kaiser ist ja nackt…!“ Alle wissen natürlich wie es geht, haben die White Paper und Token-Arten verstanden und warten nur darauf, reich zu werden. 

Der US-Ökonom Nouriel Roubini bezeichnet die Krypto-Coins als „Shitcoins“, aber da ist er einer der Wenigen. Es sollen inzwischen 2000 handelbare Krypto-Währungen existieren. Eigentlich müssten, auch bei durchschnittlich begabten Investoren die Alarmglocken schrillen. Es gibt noch nicht einmal so viele reguläre Währungen. 

Das Narrativ wird weiter strapaziert, denn Hotspots wie Liechtenstein, Malta und Gibraltar – alles Orte mit einer tadellosen Reputation für Finanzakrobatik – öffnen sich den digitalen Anlageprodukten, wie die jetzt so euphemistisch heissen. Da gilt es schnell zu handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Oder wie finden Sie diese Anekdote? Bei der Krypto-Währung Bitcoin Cash findet eine Art Bürgerkrieg statt. Die Währung wurde mit einer sogenannten «Hard Fork», geteilt und zwei Lager – das eine ist beheimatet in China, das andere in Australien – bekriegen sich nun. 

Ich dachte immer, dass Krypto-Geld geschützt sei vor Partikulär-Interessen. So wurde uns doch die neue Welt verkauft: Keine bösen Nationalbanken mehr, welche die Währung manipulieren und die Weltwirtschaft aus dem Hintergrund steuern. Und jetzt? Nicht nur die Kreation einer Währung hat sich privatisiert, sondern auch deren Manipulation im grossen Stil.

Riccarda Mecklenburg,
Vorstand Verband Frauenunternehmen, Founder CrowdConsul

Foto: ©Andre Francois by Unsplash