Corona: Generalversammlung per Videokonferenz oder Vollmacht

Corona: Generalversammlung per Videokonferenz oder Vollmacht

Gemäss Art. 699 Abs. 2 OR muss eine Aktiengesellschaft ihre ordentliche Generalversammlung spätestens 6 Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres durchführen. Bei den meisten KMUs läuft diese 6-Monats-Frist am 30. Juni ab. Eine Generalversammlung kann nach Obligationenrecht (OR) nicht auf dem Zirkularweg erfolgen. Nun hat der Bundesrat mit Notrecht die Möglichkeit geschaffen, dass der Verwaltungsrat den Aktionären vorschreiben kann, ihre Stimmrechte an der GV (i) nur schriftlich oder elektronisch oder (ii) über Stimmrechtsvertreter auszuüben. Von dieser Kann-Vorschrift hat der Verwaltungsrat bis zum 26. April 2020 Gebrauch zu machen, dem aktuellen Geltungsbereich des Notrechts. Ob diese Frist dannzumal verlängert wird, kann man derzeit nicht sagen. Dies führt zu Planungsunsicherheit: der VR ist zur Zeit noch mit dem Abschluss per Ende 2019 beschäftigt und kann noch nicht sagen, wann die GV stattfindet – und ob dannzumal die elektronische oder schriftliche Geltendmachung der Aktionärsrechte anlässlich der GV noch zulässig ist. 

Der Verwaltungsrat hat demnach jetzt ein Zeitfenster, die GV elektronisch, also bspw. per Videokonferenz durchzuführen. In sehr übersichtlichen Verhältnissen (wo die jährliche Durchführung der GV reine Formsache ist) empfiehlt es sich für ein KMU allerdings, die GV unabhängig vom Notrecht und der Unsicherheit bezüglich Frist vom 26. April 2020 per Vollmacht vorzusehen: Danach bevollmächtigt jeder Aktionär eine bestimmte Person (je nach Statuten bspw. den VR Präsidenten, ein VR Mitglied, einen anderen Aktionären oder einen unabhängigen Stimmrechtsvertreter), sich in den Abstimmungen und Wahlen so zu äussern, wie es der Vollmachtgeber vorgibt. Es ist ratsam, wenn das Protokoll der GV im Entwurf vorliegt und die Vollmacht auf diesen Entwurf Bezug nimmt (Muster von Vollmacht und GV Protokoll finden Sie [hier]). So ist gewährleistet, dass der Aktionärswillen vollumfänglich beachtet wird und die GV flexibel nach Vorliegen des Jahresabschlusses durchgeführt werden kann – dieses Rezept kann unabhängig vom Notrecht auch in normalen Zeiten umgesetzt werden.

Dr. Leonz Meyer, www.boardfinder.org

 

Unterlagen zum Download

 

 

Was JEDER Verwaltungsrat  über die Energiewende wissen muss

Was JEDER Verwaltungsrat über die Energiewende wissen muss

 

Man möchte glauben, dass die Energiewende für die meisten Verwaltungsräte nicht relevant ist, ausser sie engagieren sich in einer Firma, welche direkt in den Energiemärkten aktiv ist.

Weit gefehlt: die disruptiven Veränderungen, welche durch die neuen erneuerbaren Energien ausgehen, werden das Verhalten von Konsumenten und Industrien, aber auch unser Umfeld verändern. Deshalb muss JEDER Verwaltungsrat wissen, dass:

Strom aus Wind- und Sonnen-Energie sind auch in unseren Breitengraden bereits günstiger als Strom aus jeder anderen Energiequelle. In Deutschland produzieren Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung die Kilowattstunde für weniger als 0.05€. Investitionen in andere Technologien machen daher ökonomisch um so weniger Sinn, je länger diese Investitionen laufen.
Digitalisierung und Blockchain verändern die Geschäftsmodelle massiv und kreieren neue Firmen. Die Energiemärkte werden dezentral und nicht mehr zentral sein. Privatpersonen oder Firmen werden den Strom selber produzieren und vermarkten oder diesen direkt von einem Kraftwerk einkaufen.
Speichertechnologien und -Konzepte werden enorm an Bedeutung gewinnen, da der fluktuierende Strom aus Wind- und Sonnenenergie über Tage und Wochen, aber auch saisonal „umverteilt“ werden muss. Speichertechnologien sind der nächste Business-Hype, welcher Verlierer und Gewinner schaffen wird.
Es herrscht in den nächsten Jahren eine grosse Ungewissheit, wie sich die Elektrizitätspreise am Energiemarkt entwickeln. Entscheidend wird die Politik sein, welche Rahmenbedingungen setzen oder verändern kann. Politische Märkte sind aus langfristiger Sicht gefährliche Märkte.
Die Schweiz wird energiemässig immer im Nachteil sein, da die Sonne anderenorts wesentlich mehr scheint, die Windverhältnisse an anderen Orten wesentlich besser sind und keine «Economies of Scale» realisierbar sind.
Schweiz Firmen und Private haben die Möglichkeit, den Strom selber oder im Zusammenschluss mit Nachbarn günstig zu produzieren und hohe Netzgebühren oder staatliche Zuschläge zu vermeiden. Diesbezüglich besitzt die Schweiz aktuell wohl das liberalste Energiegesetz der Welt.
Die vermehrte dezentrale Energieproduktion in der Schweiz erhöht die industrielle Wertschöpfung. Damit werden technologische Innovationen und neue Prozesse angestossen. Es wird einige grosse Gewinner und viele Verlierer geben.
Das geopolitische Machtgefüge verändert sich massiv. Die Erdölexporteure werden an Macht verlieren. Die, vor allem für die Batterieherstellung, verwendeten Rohmaterialien werden China, Afrika und Südamerika neue Macht verleihen. Der nahe Osten wird kein Brennpunkt mehr sein.
Die Elektromobilität wird die traditionelle Mobilität ab ca. 2030 verdrängen, da diese die einzige Antwort ist, um die CO2 bedingte Klimaerwärmung in Schach zu halten. Automobilhersteller und vor allem Zulieferer stehen vor grossen Veränderungen.
Der Land- und Dachbedarf für erneuerbare Energien wird steigen, da die Energiedichte dieser Technologien tief ist. Das Landschaftsbild wird sich verändern, Land und Dachfläche wird rarer.

 

Bildunterschrift: Eindrückliche Darstellung wie sich unser (Energie)-Umfeld bis 2050 verändern könnte
Bild: Quelle: DVN GL (https://eto.dnvgl.com/2018/#Energy-Transition-Outlook-2018-)

 

 

Bitcoin – Ramschanleihen

Bitcoin – Ramschanleihen

Was ist der Unterschied zwischen Lotto spielen und Krypto-Währungen kaufen?

Lotto spielen ist legales Glücksspiel. Kryptos sollten auch darunter fallen. Während ich diese Zeilen schreibe, sackt der Bitcoin-Kurs ab wie der Sand in einer Eieruhr, schnurstracks der Schwerkraft entgegen. Wenn es so weitergeht, ist er bald auf dem Niveau von Ramschanleihen und dann steige ich ein. Vielleicht.

Seit Monaten habe ich App’s wie CoinCap, Coinbase, Jaxx und natürlich Telegram auf meinem Smartphone und beobachte den Hype um die Kryptos. Ich war auf etlichen Veranstaltungen in halb Europa und habe mich von begeisterten Verkäufern über Initial Coin Offerings, sogenannte ICO‘s, samt den Token, die versprochen werden, informieren lassen. Alle sind begeistert, geben sich verschwörerisch abgeklärt und negieren rationale Argumente. Es ist wie im Märchen „des Kaisers neue Kleider“. Keiner ruft: „Der Kaiser ist ja nackt…!“ Alle wissen natürlich wie es geht, haben die White Paper und Token-Arten verstanden und warten nur darauf, reich zu werden. 

Der US-Ökonom Nouriel Roubini bezeichnet die Krypto-Coins als „Shitcoins“, aber da ist er einer der Wenigen. Es sollen inzwischen 2000 handelbare Krypto-Währungen existieren. Eigentlich müssten, auch bei durchschnittlich begabten Investoren die Alarmglocken schrillen. Es gibt noch nicht einmal so viele reguläre Währungen. 

Das Narrativ wird weiter strapaziert, denn Hotspots wie Liechtenstein, Malta und Gibraltar – alles Orte mit einer tadellosen Reputation für Finanzakrobatik – öffnen sich den digitalen Anlageprodukten, wie die jetzt so euphemistisch heissen. Da gilt es schnell zu handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Oder wie finden Sie diese Anekdote? Bei der Krypto-Währung Bitcoin Cash findet eine Art Bürgerkrieg statt. Die Währung wurde mit einer sogenannten «Hard Fork», geteilt und zwei Lager – das eine ist beheimatet in China, das andere in Australien – bekriegen sich nun. 

Ich dachte immer, dass Krypto-Geld geschützt sei vor Partikulär-Interessen. So wurde uns doch die neue Welt verkauft: Keine bösen Nationalbanken mehr, welche die Währung manipulieren und die Weltwirtschaft aus dem Hintergrund steuern. Und jetzt? Nicht nur die Kreation einer Währung hat sich privatisiert, sondern auch deren Manipulation im grossen Stil.

Riccarda Mecklenburg,
Vorstand Verband Frauenunternehmen, Founder CrowdConsul

Foto: ©Andre Francois by Unsplash