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Die junge Frau mit der ich zusammensass, erzählte mir, dass ihre Firma ihren Antrag auf Unterstützung ihrer Weiterbildung abgelehnt hatte. Sie liess sich in ihrer Freizeit gerade umfangreich in Coaching und Leadership weiterbilden, um für eine Führungsfunktion gut gerüstet zu sein. Die HR-Abteilung lehnte ihren Antrag ab, weil ja dann jeder kommen könnte, um für eine Coaching-Ausbildung anzufragen. Die junge Frau ist im besten Alter und hoch motiviert für eine Führungsposition, aber die HR-Abteilung scheint nicht ganz im Heute angekommen zu sein. Selbst das World Economic Forum unterstreicht, dass Führung heute mehr mit Kooperation, mehr Coach als Boss und mit emotionaler Intelligenz zu tun hat, als das «par ordre du mufti» der Vergangenheit. Doch das überfordert die firmeneigenen Personaler anscheinend. Die HR-Verantwortlichen kommen nicht einmal auf die Idee, ihr eine Alternative für die Karriereentwicklung vorzuschlagen. Es kam gar nichts, ausser dem Njet. Die vielen Schlagzeilen und Zitate in den Medien, dass man dringend weibliche, ambitionierte Talente in der Wirtschaft sucht, denken sich die Journalisten offenbar nur aus.

In Tat und Wahrheit passiert in vielen HR-Abteilungen so gut wie gar nichts, ausser dass sie sich jetzt beschweren, weil sie seit neustem  Tiktok-Videos von Bewerbern erhalten statt Lebensläufe. Oder sind Sie schon einmal von ihrem HR-Chef mit einem Vorschlag überrascht worden, wie man Lohnungleichheit im Unternehmen eliminieren könnte. So ganz von sich aus, ohne Befehl von oben?

Natürlich könnte man jetzt auch den Spiess umdrehen und fragen: Warum haben Sie als CEO und als VRP nicht die Personalverantwortlichen aufgefordert ein Strategiepapier zu entwickeln, wie im Unternehmen Lohnungleichheit künftig verhindert und die bestehenden Fälle korrigiert werden könnten? Im schlimmsten Fall hätten Sie geantwortet: Ich traue es den HR-Verantwortlichen nicht zu, etwas Vernünftiges zu entwickeln. Nun, die Tatenlosigkeit vom obersten Management und vom HR hat jetzt eine Verschärfung des Gleichstellungsgesetzes zu Folge. Die Vorschriften nehmen zu, die Administration und der Aufwand steigen, und natürlich auch wieder das Gemecker über den Staat, der sich überall einmischt. Das hätte man verhindern können, wenn man diese Form der Ungerechtigkeit nicht schamlos ausgenutzt hätte, um Frauen als günstige Arbeitskräfte zu missbrauchen.

 

 

Autor: Riccarda Mecklenburg, BoardFinder-Mitglied, Präsidentin Verband Frauenunternehmen, Founder CrowdConsul.ch
Diese Kolumne ist am 24. Juni 2021 in der Handelszeitung erschienen.