Man möchte glauben, dass die Energiewende für die meisten Verwaltungsräte nicht relevant ist, ausser sie engagieren sich in einer Firma, welche direkt in den Energiemärkten aktiv ist.

Weit gefehlt: die disruptiven Veränderungen, welche durch die neuen erneuerbaren Energien ausgehen, werden das Verhalten von Konsumenten und Industrien, aber auch unser Umfeld verändern. Deshalb muss JEDER Verwaltungsrat wissen, dass:

Strom aus Wind- und Sonnen-Energie sind auch in unseren Breitengraden bereits günstiger als Strom aus jeder anderen Energiequelle. In Deutschland produzieren Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung die Kilowattstunde für weniger als 0.05€. Investitionen in andere Technologien machen daher ökonomisch um so weniger Sinn, je länger diese Investitionen laufen.
Digitalisierung und Blockchain verändern die Geschäftsmodelle massiv und kreieren neue Firmen. Die Energiemärkte werden dezentral und nicht mehr zentral sein. Privatpersonen oder Firmen werden den Strom selber produzieren und vermarkten oder diesen direkt von einem Kraftwerk einkaufen.
Speichertechnologien und -Konzepte werden enorm an Bedeutung gewinnen, da der fluktuierende Strom aus Wind- und Sonnenenergie über Tage und Wochen, aber auch saisonal „umverteilt“ werden muss. Speichertechnologien sind der nächste Business-Hype, welcher Verlierer und Gewinner schaffen wird.
Es herrscht in den nächsten Jahren eine grosse Ungewissheit, wie sich die Elektrizitätspreise am Energiemarkt entwickeln. Entscheidend wird die Politik sein, welche Rahmenbedingungen setzen oder verändern kann. Politische Märkte sind aus langfristiger Sicht gefährliche Märkte.
Die Schweiz wird energiemässig immer im Nachteil sein, da die Sonne anderenorts wesentlich mehr scheint, die Windverhältnisse an anderen Orten wesentlich besser sind und keine «Economies of Scale» realisierbar sind.
Schweiz Firmen und Private haben die Möglichkeit, den Strom selber oder im Zusammenschluss mit Nachbarn günstig zu produzieren und hohe Netzgebühren oder staatliche Zuschläge zu vermeiden. Diesbezüglich besitzt die Schweiz aktuell wohl das liberalste Energiegesetz der Welt.
Die vermehrte dezentrale Energieproduktion in der Schweiz erhöht die industrielle Wertschöpfung. Damit werden technologische Innovationen und neue Prozesse angestossen. Es wird einige grosse Gewinner und viele Verlierer geben.
Das geopolitische Machtgefüge verändert sich massiv. Die Erdölexporteure werden an Macht verlieren. Die, vor allem für die Batterieherstellung, verwendeten Rohmaterialien werden China, Afrika und Südamerika neue Macht verleihen. Der nahe Osten wird kein Brennpunkt mehr sein.
Die Elektromobilität wird die traditionelle Mobilität ab ca. 2030 verdrängen, da diese die einzige Antwort ist, um die CO2 bedingte Klimaerwärmung in Schach zu halten. Automobilhersteller und vor allem Zulieferer stehen vor grossen Veränderungen.
Der Land- und Dachbedarf für erneuerbare Energien wird steigen, da die Energiedichte dieser Technologien tief ist. Das Landschaftsbild wird sich verändern, Land und Dachfläche wird rarer.

 

Bildunterschrift: Eindrückliche Darstellung wie sich unser (Energie)-Umfeld bis 2050 verändern könnte
Bild: Quelle: DVN GL (https://eto.dnvgl.com/2018/#Energy-Transition-Outlook-2018-)